Das Vorgehen bei der Evaluation des Hypermedia-Systems MEM ist von seinem Anspruch her experimentell ausgerichtet:
Weiter wird verlangt,
Im Rahmen des MEM-Projektes wurden bisher folgende Fragestellungen untersucht (vgl. Glowalla et al., 1993):
In dieser Studie konnte die Überlegenheit des selbstgesteuerten Lernens mit Hypertext über eine systemgesteuerte Lehrmethode nicht nachgewiesen werden:
MEM ist ein an der Justus-Liebig-Universität Gießen entwickeltes Hypermedia-System (vgl. Glowalla et al., 1993; Glowalla et al., 1992), das für die computergestützte Aus- und Weiterbildung von Psychologie-Studentinnen eingesetzt wird. Seit mehreren Jahren werden Kurse zur Gedächtnispsychologie mit MEM durchgeführt, an denen inzwischen mehr als 1000 Studentinnen teilgenommen haben. Die Kurse umfassen fünf Lektionen, die einen Umfang von insgesamt ca. 60 Lehrbuchseiten haben.
MEM basiert auf der Kartenmetapher, navigiert wird über ein Drop-Down-Menü und eine Kommandoleiste mit Buttons. Das System verfügt über ein dynamisches Glossar, das durch Anklicken eines Begriffes aufgerufen werden kann, ein Inhaltsverzeichnis für jede Lektion und Zusammenfassungen der einzelnen Kapitel. Als aktive Studierhilfen erlaubt MEM das Markieren und Annotieren von Textpassagen. Problemlos können in MEM auch Tests, z.B. Multiple-Choice- und Ja/Nein-Fragen, integriert werden. Alle Benutzeraktivitäten und die dazugehörigen Zeiten werden automatisch protokolliert. Für den Einsatz des Systems MEM in der Evaluationsforschung sprechen laut Glowalla et al. (1992, S. 54) insbesondere"(1) die flexible Informationsdarbietung, (2) die umfangreiche Unterstützung aktiver Studiertechniken und verschiedene Formen der Wissensdiagnose, (3) die schnelle Anpassung des Kursmaterials und des Kursablaufes an unterschiedliche Benutzergruppen, (4) das rigorose Robustheitskonzept bei der Durchführung von Kursen sowie (5) die automatische Protokollierung des Studierverlaufes."
"What we need, then, is extensive and systematic experimental research on computer-aided learning involving large groups of subjects in realistic educational settings." (Glowalla et al., 1993, S. 368).
"that each new form of CAL must be compared to other reasonable instructional systems. It is not very surprising if brand new hypermedia does better than an outdated textbook. If hypermedia-based teaching methods lead to better learning than the most effective known teaching method, however, we may recommend its use with very justification." (Glowalla et al., 1993, S. 380).
Eine Studie zum Wiederlernen
Glowalla et al. (1992) stellten das Wiederlernen mit dem Hypermedia-System MEM (selbstgesteuerte Informationssuche) dem Wiederlernen mit einer optimalen, selektiven Strategie (systemgesteuerte Informationsvorgabe) gegenüber. Unter Wiederlernen wird das Auffrischen bereits erworbenen Wissens verstanden, wobei das Schließen von Wissenslücken angestrebt wird. Der Wiederlernkurs ist so aufgebaut, daß am Vormittag zuerst das Vorwissen der Teilnehmerinnen festgestellt wird. In der anschließenden Wiederlernphase werden die Aufgaben des Vorwissenstests erneut vorgelegt und können nun anhand der Wissensbasis beantwortet werden. Nachmittags wird die Enddiagnose durchgeführt. Die Wiederlerner (N=26) im Hypermedia-System MEM konnten wahlweise die zur Beantwortung der Fragen nötigen Informationen im Hypertext suchen oder die Fragen direkt beantworten; die selektiven Wiederlerner (N=26) konnten sich wahlweise den zur Beantwortung der Fragen entsprechenden Textabschnitt anzeigen lassen oder die Fragen direkt beantworten. Die Ergebnisse dieser Studie lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:
"Das Wiederlernen von Wissen in unserer Hypertext-Lernumgebung hat erfreulicherweise zu vergleichbar guten Leistungen geführt wie das Wiederlernen mittels der äußerst effizienten selektiven Methode. Die vergleichbar gute Leistung mußte aber mit einem erhöhten Zeitaufwand erkauft werden. Die Hoffnung, daß das Lernen in der Hypertext-Lernumgebung zu besseren Ergebnissen führt, hat sich nicht erfüllt [...]. Das Wiederlernen in der Hypertext-Lernumgebung, in der die Lernenden selbstgesteuert beliebig viele Textabschnitte studieren konnten, bewirkte zudem keine stärkeren Transfereffekte als das selektive Wiederlernen. Dieses Ergebnis widerspricht der von vielen Experten geäußerten Einschätzung und auch unserer Erwartung, daß das selbstgesteuerte Lernen im Hypertext restriktiveren, systemgesteuerten Lerntechniken überlegen sei. (Glowalla et al., 1992, S. 59)
[perzept][Hypertext-Inhalt]
[Hypertext-Forschung]